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Im Interview mit Monika Mayer-Pavlidis

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Was bedeutet dir der Titel „über(s)leben“ – wo liegt für dich der Unterschied zwischen Leben und Überleben?
Leben ist ein stabileres Dasein. Schon mit Höhen und Tiefen, aber alles überschaubar und machbar.
Überleben ist eher ein Kampf. Man muss sich anstrengen und gegen etwas ankämpfen um im Leben zu bleiben.
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2. Deine Gedichte sind körperlich, sinnlich, verletzlich. Warum wählst du Poesie, um über Schmerz und Heilung zu sprechen?
Weil es für mich, damals als ich eine Rheumaerkrankung hatte, die einzige Möglichkeit war, mich künstlerisch auszudrücken, denn tanzen war nicht mehr möglich. Ich möchte mit meinen Gedichten anderen Hoffnung geben, auch in schlechten Zeiten an das Positive zu glauben. Einige Menschen, die selbst krank waren, fanden Hoffnung in meinen Gedichten.
3. Viele Texte bewegen sich zwischen Innen- und Außenwelt – woher kommt dieser Blick für Übergänge?
Das passiert unbewusst. Mich bewegt etwas im Innen oder im Außen und dann möchte ich es mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen erleben.
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Was ist für dich ein guter Moment zum Schreiben – eher Bewegung oder eher Stille?
Beides. Das ist unterschiedlich. Manchmal kommen mir Ideen beim Warten oder im Zug. Manchmal beim Gehen in der Natur oder beim Tanzen.
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4. Du kommst vom Tanz – spürt man das in deiner Sprache?
Das müssten andere kommentieren. Das kann ich nicht sagen, außer bei den Gedichten, bei denen ich mich explizit auf Tanz konzentriere.
5. Wie entsteht ein Gedicht bei dir? Setzt du dich hin und schreibst – oder kommt es über dich?
Die Ideen kommen in verschiedenen Momenten. Manchmal habe ich nur ein Gefühl über das ich schreiben möchte, oft ist es etwas was ich in der Natur sehe oder spüre, manchmal lasse ich mich von einem Thema inspirieren.
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6.Deine Gedichte sind oft voller Natur – Wasser, Erde, Wind. Ist das für dich Symbolsprache oder echte Verbindung?
Die Natur kann so viel geben. Ich bin gerne draußen und versuche die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Ich kann mich wie ein kleines Kind über das Beobachten eines Schmetterlings freuen, oder wenn es im Laub raschelt, versuche ich herauszufinden welches Tier gerade vor mir geflüchtet ist. Bäume haben eine ganz spezielle Bedeutung für mich. Sie tragen eine gewisse Weisheit in sich und ich umarme sie gerne. Natur trägt auch Symbole in sich, die in unserem Leben existieren z.B. die Vergänglichkeit, der Kreislauf, die Jahreszeiten,
Somit ist es irgendwie beides…Symbol mit Verbindung ;-)
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7.Du schreibst über Angst, Verlust und Leere – aber nie ohne einen Gegenpol. Was hilft dir, im Schreiben nicht zu verhärten?
Ich glaube, weil ich das Schreiben über diese Themen als Gesundungsprozess ansehe und ich ein positiver Mensch bin. Das Schreiben darüber ist zuerst ein Reflektieren über das Geschehene und dann eine Aufarbeitung mit positivem Ende.
8. Was kann Lyrik leisten, was andere Literaturformen nicht können?
Lyrik hat die Möglichkeit, weil die Texte kurz sind, über das Gelesene nachzudenken, es auf sich wirken zu lassen, Bilder entstehen zu lassen. Man kann es mehrfach lesen und sich Gedanken machen. Tanzen hingegen ist eine ephemere Kunstrichtung. Der Tanz verschwindet im selben Moment in dem man ihn gesehen hat.
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9. Gibt es ein Gedicht in über(s)leben, das dir besonders nah ist? Und warum?
Das ist eine schwierige Frage. Ich denke es sind drei. Jedes gehört zu einem neuen Lebensabschnitt der letzten Jahre.
„Garten“ – Erinnerung an meinen verstorbenen Mann
„Wieder tanzen“ – nach längerer Krankheit endlich wieder in Bewegung zu kommen.
„Strandydille“ – die Verbindung zur Natur und dass wieder alles möglich ist
10. Wie war es für dich, diese Texte mit Kalligrafien zu verbinden? Was macht das Bild mit dem Wort?
Ich wollte etwas Neues und abstrakte Kalligrafie fand ich sehr spannend dazu.
Die Kalligrafien unterstützen und/oder interpretieren die Gedichte.
Sie bieten die Möglichkeit über das Gelesen mithilfe des Bildes noch tiefer einzutauchen.
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11. Welches Buch, welche Autor:innen haben dich als Lyrikerin geprägt – oder herausgefordert?
Ich mag die Lyrik von Mascha Kaléko, Giorgos Seferis, Konstantinos Kavafis, Jannis Ritsos…vielleicht weil sie alle eine gewisse Melancholie haben, mit der Natur und dem Leben stark verbunden sind und auch Zeitkritisches nicht scheuen.
12. Wie gehst du mit dem Gedanken um, dass Leser:innen sich in deinen Texten wiederfinden – vielleicht mehr, als dir lieb ist?
Ich finde es immer als eine spezielle Auszeichnung, wenn ein:e Leser:in mir sagt, dass sie in meinen Gedichten eigene Themen liest.
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13. Was möchtest du Menschen mitgeben, die deine Gedichte lesen?
Dass man sich gewissen Themen stellen soll, aber nie die Hoffnung aufgeben darf. Das Durchleben von negativen Erlebnissen kann zu einer neuen Stärke führen und das Sprechen oder Schreiben oder Tanzen darüber ist ein wunderbares Hilfsmittel.
14. Hast du einen Lieblingsvers aus über(s)leben, der für dich wie ein Schlüssel zum ganzen Buch ist?
Wenn man sich verirrt hat, kann man von überallher kommen.